Das missratene Coaching: Seelischer Mülleimer mit Stockholm-Syndrom.

Wenn die Neigung, anderen zu helfen, übermächtig wird, gibt es Menschen, die dieses Verhalten für sich zu nutzen wissen. Und wenn der Ausgenutzte sich dann mit dem Manipulierer vollkommen solidarisiert, haben wir ein Problem! Ein Beispiel aus der Praxis, wie es auch laufen kann….

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Vor kurzem kam Frau Lüders in meine Praxis. Eine Frau um die 50 und arbeitet sein nun fast 27 Jahren in der gleichen Firma, seit 14 Jahren als Chefsekretärin.

Seit der Seniorchef die Firma 2019 verlassen hat und der Junior die Firmenführung übernahm, ist alles anders. Keine geregelte Arbeitszeit mehr, keine entspannten Wochenende, keine festen Arbeitsabläufe. Alle bewährten Routinen haben sich in Luft aufgelöst. Frau Lüders ist fix und fertig. Sie ist müde, ihre Konzentrationsfähigkeit lässt auffallend nach, sie ist zuhause oft nervös und gereizt.

Im Coaching möchte sie ihre Gereiztheit angehen, denn die führt zunehmend zu Spannungen und Streit in der Familie.

Auf meine Bitte hin, beschreibt sie mir die Veränderungen im Arbeitsalltag genauer. Sie erzählt unter anderem, dass der junge Chef sich oft zu ihr ins Büro setzt, um ihr sein Herz auszuschütten. Er habe das Gefühl, die ganze Welt habe sich gegen ihn verschworen. Der Vater (Senior) habe ihn nicht umfänglich eingearbeitet, nicht gut eingeführt, die Belegschaft erkenne ihn nicht als Chef an, man kenne ihn halt noch als den Sohn vom Chef. Außerdem würde er dauernd vom Vater kontrolliert und kritisiert.
Die Angestellten seien unzuverlässig, die Azubis aufsässig und respektlos. Außerdem sei die Situation aufgrund der Pandemie auch nicht einfach, die Umsätze wären rückläufig.

Und am Ende jedes Gespräches betonte er überdeutlich, wie froh er sei, dass er sie, Frau Lüders habe! Ohne sie könnte er das alles niemals schaffen,  ohne sie würde er untergehen!

Das schmeichelt Frau Lüders sehr! Und um ihn auch wirklich zu unterstützen, so betont sie mir gegenüber, würde sie ihm abnehmen, was immer möglich sei.

Sie räumt ein, er sei noch nicht organisiert (nach 2 Jahren!) und manchmal auch chaotisch. Auf meine Frage, ob er denn auch so viel arbeite wie sie, verneint sie das, beinah empört. Das könne er nicht. Die Last der Verantwortung wäre schließlich sehr fordernd. Daher würde sie (Frau Lüders) darauf achten, dass er pünktlich nach Hause geht.

Kein Wunder, dass sie am Limit läuft. Und wenn sie dann nach Hause kommt, geht es gerade weiter: einkaufen, kochen, Haushalt und dann, wie erschlagen ins Bett. Ihre drei Kinder, alle schon beinah erwachsen, könnten Aufgaben übernehmen. Aber – das passt nicht in Frau Lüders Weltbild und auch nicht zu ihrem Selbstbild. Und in das ihres Mannes auch nicht.

Dass Ihr junger Chef ihre Schwachstelle erkannt hat und nutzt, will sie nicht hören. Als ich sie darauf hinweise, dass sein Verhalten eine geschickte Strategie ist, um sie immer und immer mehr einzuspannen um sich selbst zu entlasten, reagiert sie sehr verärgert.  „Wollen Sie damit sagen, dass der arme Junge (!!!) mich manipulieren will??“

Frau Lüders Gereiztheit bricht in diesem Moment voll durch! Wütend  sagt sie, sie habe geglaubt, ich könne ihr helfen, ich könne ihre Batterien wieder aufladen, ihre Gereiztheit und ihre Nervosität abzubauen  – dann verlässt sie die Praxis, so schnell und mit einer knallenden Türe, dass ich keine Chance habe, zu antworten.

Tja… ich hätte ihr gerne geholfen, ich hätte ihr auch helfen können. Allerdings habe ich kein Ladegerät für heruntergewirtschaftete Nerven!
Ich hätte helfen können, Wege zu finden, aus dieser Manipulationsfalle auszusteigen,
ich hätte ihr helfen können, ihre Überfürsorglichkeit abzulegen,
ich hätte ihr Wege zeigen können, ihre Batterien wieder aufzuladen und so ihre Gereiztheit und ihre Nervosität abzubauen.
Bei all dem hätte sie unterstützen können, wenn sie bereit gewesen wäre, Eigenverantwortung zu übernehmen, unbequeme Wahrheiten anzusehen und zu akzeptieren und eigene Muster zu hinterfragen und zu verändern.

Coaching kann vieles! Manchmal sogar zaubern,  nur nicht hexen! Ein/e Coach kann nur so viel erreichen, wie die Klientin bereit ist mitzugehen.  Wo diese Bereitschaft endet, endet auch jede Möglichkeit des Coaches. Der Zahnarzt ist auch machtlos, wenn man den Mund nicht öffnet.

Es war einer der seltenen, schwierigen Momente in der Praxis, denn es ist absehbar, dass Frau Lüders mit  Burn-out im Krankenstand landet.

Wenn Du Dich in dieser Geschichte wiedererkannt hast,

wenn Du Deine Neigung erkennst, Dich um jeden und alles zu kümmern,

wenn Du Menschen in dieser Geschichte wiedererkennst, die zu Manipulationen neigen, um sich selbst einen schlanken Fuß zu machen,

dann denk einmal darüber nach, ob es Deine Gesundheit wert ist, an diesen Mustern festzuhalten.

Denk darüber nach, woher diese Muster kommen, welche Glaubenssätze hier wirken, was Dich antreibt, und wem Du damit gefallen möchtest.

Und dann denk darüber nach, was Du ändern kannst, wo Du Impulse findest, wer Dich unterstützen kann.

Hier ein Tipp, der für Dich interessant ist:

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